Kinder wollen lernen. Sie wollen sich aber auch bewegen – denn das brauchen sie, um sich gesund zu entwickeln. Deshalb ist es wichtig, auch außerhalb des Sportunterrichts Spiel und Bewegung in der Schule zu ermöglichen.
Das ist gar nicht so schwer. In jedem Unterricht und jeder Pause lassen sich Anlässe dafür nutzen. Davon haben alle etwas: Kinder, Eltern und die Lehrerinnen und Lehrer. Wer bewegt lernt, verankert Wissen besser, ist konzentrierter und motivierter – und bleibt auf Dauer gesünder.
Auf den folgenden Seiten wird in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzpartner Techniker Krankenkasse beispielhaft aufgezeigt, wie Lehrerinnen und Lehrer mehr Bewegung in die Schule bringen können. Zum Beispiel mit aktiven Pausen und bewegtem Fachunterricht.
Wer sich bewegt, aktiviert die motorischen Zentren seines Gehirns. Diese Zentren spielen eine wesentliche Rolle dabei, wie Informationen verarbeitet und gespeichert werden. Kinder und auch Erwachsene behalten zum Beispiel Wörter, Zahlen und Inhalte leichter, wenn sie beim Lernen Gesten einsetzen, sich rhythmisch bewegen oder die Inhalte laut wiederholen.
Stillsitzen ist out. Kinder lernen ausdauernder und begeisterter, wenn sie ihren Körper mit allen seinen Sinnen dabei einsetzen können. Und nicht nur das: Das so Gelernte bleibt auch besser im Gedächtnis haften. Wenn Kinder in die Schule kommen, befürchten Eltern oft, dass sie nicht ruhig sitzen und sich konzentrieren können. Dabei müsste die „Sitzschule“ schon lange der Vergangenheit angehören. Denn mittlerweile ist nachgewiesen: Wer sich bewegt, lebt nicht nur gesünder, sondern lernt auch besser.
a. Kindgerechter Rhythmus
Gestalten Sie den Unterricht kind- und lerngerecht in einem regelmäßigen Wechsel zwischen Belastung und Entspannung: Rhythmisieren Sie den Unterricht. Dazu können Sie zum Beispiel kurze Bewegungspausen verwenden, die an der Aufmerksamkeitsspanne und den aktuellen Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet sind. Auch gut: regelmäßige Stille- und Entspannungsübungen.
b. Bewegtes Lernen
Nutzen Sie im Fachunterricht Möglichkeiten, die Kinder das Thema
sinnlich erfahren und aktiv erarbeiten zu lassen. Für viele Themen
können Sie Bewegung als Mittel zum Lernen verwenden. Zum Beispiel
stellen Kinder im Mathematikunterricht geometrische Figuren mit
ihrem Körper dar. Im Deutschunterricht untermalen sie die Silbentrennung eines Wortes durch Klatschen oder Hüpfen. Im Werken bauen sie Instrumente, die sie später in der Klasse für Bewegungs- und Tanzspiele nutzen.
c. Bewegungsfreundliche Räume
Richten Sie mit einfachen Mitteln das Schulgelände und die Innenräume der Schule so ein, dass sie das Toben und Spielen ermöglichen. Flure und andere Verkehrsflächen, wie der Schulhof, können mit mobilen und fest installierten Geräten oder aufgemalten Spielfeldern zur Bewegung einladen. Auch in den Klassen können durch geeignete Möbel, Sitzbälle, Stehpulte und andere Hilfen solche Möglichkeiten geschaffen werden. Bewegung ist dann nicht mehr Störfaktor, sie wird aktiv gefördert.
Bewegungspausen
Kinder in der Grundschule können sich in der Regel nicht länger als 20 Minuten konzentrieren. Vor allem nach anstrengenden Arbeitsphasen werden sie unruhig. Dem beugen Sie mit regelmäßigen Bewegungspausen vor. Machen Sie also spätestens nach 20 Minuten konzentrierten Arbeitens eine Pause mit einem Spiel oder einer Übung. Öffnen Sie dabei die Fenster, um die Sauerstoffaufnahme zu verbessern. Die Pause wird dann doppelt effektiv. Auch ältere Schülerinnen und Schüler und Erwachsene profitieren übrigens von diesen Übungen.
Schon fünf Minuten reichen aus, um wieder Schwung in die Klasse zu bringen. Dafür sollte die Bewegungspause möglichst einfach sein. Das heißt:
Stühle sind nicht nur zum Sitzen da. In der Klasse ist für jedes Kind ein Stuhl vorhanden – das ist auch schon das passende Turngerät für eine Bewegungspause. Lassen Sie die Kinder einfach einmal aufstehen und um den eigenen Stuhl herumlaufen. Oder im Klassenzimmer herumgehen und auf Ihr Zeichen hin sich wieder auf seinen eigenen Stuhl setzen. Die folgenden Ideen können Sie durch Ihre eigenen Varianten ergänzen.
Zum Schluss lassen Sie die Kinder sich wieder auf ihre Plätze setzen und zum Beispiel eine Weile auf ihren Atem achten – wie er ein- und ausströmt und wie sich der Bauch senkt und hebt. Dann rekeln und strecken, und schon kehren Sie erfrischt wieder zu Ihrem Unterrichtsthema zurück.
Bewegt sitzen
Sitzen ist die ungesündeste aller Körperhaltungen. Auch bei optimal ergonomisch geformten Stühlen belastet eine unbewegliche Sitzhaltung die Muskeln, Sehnen, Bänder und Bandscheiben einseitig. Daraus entstehen Fehlhaltungen, die langfristig zu chronischen Rückenschmerzen führen können. Mit folgenden Tipps helfen Sie den Kindern, solchen Schäden vorzubeugen.
Die wichtigsten Regeln: Sitzen soll bewegt sein. Die Kinder sollten ihre Sitzposition laufend verändern. Und: Recken und Strecken ist immer gut. Es entlastet die Wirbelsäule und spannt und entspannt die Muskeln im Wechsel. Lassen Sie die Kinder mit dem Sitzen experimentieren und die für sie attraktivsten Positionen herausfinden. Ermuntern Sie sie, sich alle zehn bis fünfzehn Minuten anders hinzusetzen. Auf einem Stuhl geht das zum Beispiel so:
Alternative Sitzgelegenheiten ermöglichen ganz neue Positionen. Zum Beispiel zwei bis drei Sitzbälle, die nach einer Viertelstunde weitergegeben werden. Oder ein Sitzwürfel aus festem Schaumstoff, auf den die Kinder sich knien, rittlings setzen oder auch einmal legen können. Das bringt Abwechslung und entlastet die Kinderrücken.
Entspannen im Unterricht
Besonders gut geeignet sind einfache Übungen zur schrittweisen Muskelentspannung, Fantasiegeschichten und spielerische Massageübungen. Für die Umsetzung braucht es nicht viel: Ein wenig Zeit, in der nicht gesprochen wird, ein nicht zu kalter Raum. Die Kinder sollten während der Übung die Augen schließen. Wer nicht mitmachen möchte, setzt sich ruhig an den Rand.
Kinder brauchen Bewegung – aber auch Ruhe. Manchmal finden sie nicht mehr allein zur Balance. Entspannungsrituale, die spielerisch die Aufmerksamkeit der Kinder auf ihren Körper lenken, können das Gleichgewicht wiederherstellen. Sie helfen innezuhalten und lösen Anspannungen.
Bewegt Lernen
Bewegung kann auch so in den Unterricht integriert werden, dass sie das Lernen über mehrere Sinneskanäle ermöglicht. Dadurch werden die Inhalte besser behalten. Dies ist die anspruchsvollste Form des bewegten Lernens. Es ist nicht auf einzelne Schulfächer beschränkt – in jedem Fach lassen sich Bewegungsanlässe finden oder der Unterricht kann mit Bewegung aufgelockert werden.
Lassen Sie zum Beispiel die Kinder im Fach Mathematik geometrische Formen über Bewegung im Raumerschließen. Sie können Vierecke, Dreiecke, Quadrate oder Kreise mit Seilen legen und dabei die Flächen abmessen. Wann ist ein Viereck ein Quadrat, wann ein Rechteck? Oder machen Sie einen Rechenspaziergang mit den Kindern. Dabei liegt auf jedem Platz eine andere Aufgabe. Die Schüler und Schülerinnen gehen von Platz zu Platz und lösen die Aufgaben.
Im Deutschunterricht können die Schüler und Schülerinnen Verben in Bewegung erfahren: Welche Begriffe gibt es für die Fortbewegung? Zum Beispiel laufen, rennen, gehen, schleichen, schlurfen, schlendern, rasen, hüpfen ... Auch Adjektive lassen sich bewegt demonstrieren. Ob etwas groß ist, klein, rund, breit oder eng, stellen die Kinder mimisch oder gestisch dar. Ein Kind kann es vormachen, die anderen erraten den Begriff. Vokabeln können Sie aufschreiben, nachsprechen, in Unterhaltung einbinden, mit Handlungen verbinden, szenisch darstellen und von den Mitschülerinnen und Mitschülern erraten lassen.



















